...die kluge Alternative
HOME|  MITMACHEN|  HILFE|  NEWSLETTER|  ÜBER UNS|  LOGIN|      MMP KuponShop  
ALLE|KREIS|ORTE|
     POLITIK|WIRTSCHAFT|KULTUR|SPORT|FREIZEIT|DIVERSES|IG-GRUPPEN|FIRMEN|SCHAUFENSTER|

     MEINE SEITE ZEIGEN


 SCHNAPPSCHÜSSE                     | SCHAUFENSTER






 BEITRÄGE       | ALLE    | JÜNGSTER     | HÄUFIG GELESEN        |RÜCKWÄRTS      < 0   |   5 >      VORWÄRTS|


04.03.2011 / 10:59 | Ort | Prien | Wirtschaft | Heizkraftwerk
Aus Holz Strom erzeugen??

Das in Prien geplante Hackschnitzel-Heizkraftwerk nebst Fernwärme beschäftigt die Priener Bürger derzeit heftig. Hier einige Fakten (und bisher unbeantwortete Fragen)zum Thema:
Wie viel Potenzial an Holz steht uns in Prien für Hackschnitzel zur Verfügung? Im ganzen Landkreis Rosenheim mit 44 Gemeinden + Stadt Rosenheim steht nur noch ein freies Potenzial von 29 000 Fm (Festmeter) Holz pro Jahr für Hackschnitzelverwertung zur Verfügung. Dabei wurden alle anderen Holzverbraucher bereits berücksichtigt, die auch steigenden Bedarf anmelden. Allein das Priener HSKW (HackSchnitzelKraftWerk) verbraucht im Jahr ca. 25 000 Fm (entspricht ca. 11 000 Tonnen); dies entspricht fast dem gesamten freien Potenzial, das im ganzen Landkreis Rosenheim zur Verfügung steht. Übrigens, die Zahlenverhältnisse sind in anderen Landkreisen ähnlich. Der Slogan „Aus der Region für die Region“ muss umbenannt werden in „Aus der Region für Prien“. Ob die Oberhäupter anderer Gemeinden, die nicht weniger „intelligent“ sind als Priener, sich das gefallen lassen und nicht auch schnell ein HSKW bauen wollen, ist zu bezweifeln. Vorüberlegungen oder Planungen liegen bei ca. einem Drittel der bayerischen Gemeinden in den Schubladen. Heute weiß schon fast jeder Schüler, was das für die Holzpreisentwicklung bedeutet. Was das langfristig für den Bestand unseres einzigen Rohstoffes und unserer schönen Wälder bedeutet, kann jeder, der auch Verantwortungsgefühl hat, sich ausmalen.

Es heißt, wir werden das Holz aus dem „Salzburgischen“ importieren, dabei weiß man, dass Österreich z.Z. wesentlich mehr Holz aus Bayern importiert als umgekehrt. Wie passt das zusammen? Der Transportanteil im Preis bei Hackschnitzel ist sehr hoch und je weiter die Transportwege sind, umso höher der Preis. Außerdem kehrt sich bei langen Transportwegen die so gerühmte Ökobilanz ins Negative.


Auch die Behauptung, wir vermindern die CO2 Belastung, ist eine Milchmädchen-Rechnung. Im Gegenteil, durch die massive Abholzung in den nächsten Jahren, gibt es dann für die kommenden ca. 20 Jahre wesentlich weniger große Bäume um CO2 zu binden, d.h. wir bekommen größeren negativen Einfluss auf unser Klima.

Wer von autarkem Prien spricht, will von Technik nichts wissen. Unser „Holz-Strom“ wird ja nicht am Ort verbraucht, sondern lediglich an große Energiekonzerne geliefert, an diejenigen, die in Bayern Strom bereits im Überfluss produzieren. Wir sind faktisch weiterhin von diesen Konzernen abhängig, wie vorher. Sie müssen zwangsläufig (Gesetz) unseren Strom abnehmen, ob sie ihn brauchen oder nicht. Dafür zahlen wir wesentlich mehr Steuern und höheren Strompreis, weil diese Art von überflüssigem und technisch ineffektivem Strom massiv subventioniert wird. Übrigens mit Öl wird praktisch gar kein Strom erzeugt, sondern zu ca. 80% mit Kohle, Gas und Atomenergie. Wenn man noch berücksichtigt, dass die großen Stromversorgungsleitungen für Einspeisungen gar nicht ausgelegt sind und deshalb die Stromgiganten und die EU viele 100 Milliarden investieren um diese Netze eines fernen Tages überhaupt einspeisefähig zu gestalten, so weiß man, dass Holzstromerzeugung ein Unsinn ist.

Aus Holz Strom zu erzeugen ist ein Frevel, wenn wir wissen, dass es nur noch ca. 10 Jahre dauert bis der Löwenanteil unseres Stroms aus regenerativen Energien (liegt heute schon bei 17%) wie Sonne, Wind, Gezeiten, Geothermie, Wasserstoff (Brennstoffzellen), Biogas aus Abfällen (nicht aus Lebensmitteln), etc. erzeugt wird. Wenn das 400 Milliarden Projekt „Desertech“ aus gigantischen Solarkraftwerken Strom liefert (das ist nur der Anfang) werden sich alle diejenigen, die aus Holz Strom erzeugen, schämen müssen.


Das Argument „weg von fossilen Rohstoffen“, können für die nächsten 10 Jahre sich nur Träumer (oder reine Geschäftemacher) als Begründung für den Bau von HSKW ausgedacht haben. Oder will sich jemand ein Denkmal setzen bzw. an Prestige gewinnen? Dafür ist das HSKW viel zu teuer. Allein der Gedanke, die Rohstoffe anderer Länder zu schonen und unsere vorzeitig zu vernichten, ist abwegig. Noch abstruser ist diese Konzeption, wenn dieselben HSKW Befürworter sagen, wenn das Holz zu teuer wird oder Versorgungsprobleme gibt, können wir ja mit Gas heizen. Also doch wieder mit fossilen Energieträgern, wenn uns das Holz ausgeht.


Die beste Energiepolitik ist ENERGIE SPAREN und nicht »auf Teufel komm raus« immer mehr Strom zu erzeugen und dann auch noch aus so kostbarem Rohstoff wie Holz. Experten haben ausgerechnet, dass wir in kurzer Zeit ca. 30% Strom sparen können, wenn wir nur konsequent die bereits vorhandenen Technologien einsetzen (wir brauchen nur gesetzliche Vorgaben) und unser tägliches Verhalten so zu ändern, dass wir Energie nicht unnötig verschwenden. Dazu gibt es eine Liste konkreter Ratschläge, aber wer selbstkritisch und verantwortlich seinen gesunden Menschenverstand einsetzt, kann sehr viel tun.

Das Gerede von Unabhängigkeit von großen Konzernen oder anderen Ländern (das Holz für unsere Hackschnitzel wird vermutlich auch aus den östlichen Staaten kommen), bekommt besonders bitteren Beigeschmack für diejenigen, die sich an das Wärmenetz anschließen werden. Sie werden auf Gedeih und Verderb von einem Versorger (quasi Monopolist) abhängig sein, der die Preiserhöhungen weitergeben muss, sonst kann er nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Ein Ausstieg ist dann realistisch ohne große Verluste eigentlich nicht möglich.


Es gibt für Heizenergie keine „Messias-Lösung“, sondern Kombination aus vielen Möglichkeiten, z.B. Wärmepumpen aller Art / Oberflächengeothermie, Kollektoren, etc., in Kombination mit Niedertemperatur Heizungen und natürlich mit thermischer Renovierung des Hauses. Man kann dann mit Scheitholz noch dazu heizen, was ja viele tun. Wenn das Priener HSKW Schule macht so wie es z.Z. aussieht, werden sich die Holzofen- und auch die Pelletheizungsbesitzer das nicht mehr leisten können. Das Holz wird einfach viel zu teuer. HSKW`s werden zu einer der typischen massenhaften Fehlentwicklungen, die es unzählige immer wieder z.B. von Waldmonokultur bis zur Finanzkrise (oder heute E10 und Vergasung von Lebensmitteln) gegeben hat und weiter gibt. Menschen sind offensichtlich so geschaffen, dass wenn die Richtung mal vorgegeben ist, sie wie Lemminge in den Abgrund rennen. Und Politiker (sind meistens Juristen, Verwaltungsleute, BWL-er, Kaufleute, o.ä.) die eigentlich von Naturwissenschaft und Technik keine Ahnung haben, treffen die wichtigen Entscheidungen unter dem Einfluss der Lobbyisten und Unternehmen, die nur an Umsatz interessiert sind. Langfristige Auswirkungen werden nicht berücksichtigt. Wollen wir da immer mitmachen?


Im Priener HSKW soll Strom und Heizwärme erzeugt werden. Wenn man von Holz als Treibstoff absieht, ist das eine gute Kombination, allerdings nur dann wirtschaftlich, wenn die Wärme ganzjährig sinnvoll genutzt werden kann. Das ist ja in Prien nicht der Fall. Das erhöht die Gesamtbetriebskosten massiv und macht unser HSKW unrentabel. Warum gibt es von den Verantwortlichen bisher dazu keine Informationen?
Übrigens, andere Begriffe wie z.B. BHKW („Block“ oder „Bio“) dienen nur der Verwirrung der Bürger, damit sie meinen es ist eine großartige Innovation, dabei heizen die Menschen schon seit Jahrtausenden mit Holz.

Es gibt noch weitere Nebenargumente gegen dieses HSKW:

Die Gemeinde hat die Gesamtkosten auf 13,5 Mil. angegeben. Ein seriöser Kaufman macht immer auch eine »best case« und eine »worst case« Rechnung auf. Das wurde wohlweislich nicht gemacht, damit die wahrscheinlich wesentlich höheren Gesamtkosten im Dunklen bleiben.

Die Versorgung mit Hackschnitzel und Preis Extrapolationen auf die nächsten 10 bis 20 Jahre wurden bis heute nicht dargelegt. Dazu gibt es nur Behauptungen, nichts Belastbares. Auch keine Ausweichszenarien um ein mögliches Finanzdesaster aufzufangen.

Das Problem mit nicht ausreichender Zahl von Anschlusswilligen wird verschwiegen. Viele potenzielle Großverbraucher, aber auch viele Kleinverbraucher werden sich nicht anschließen, weil sie in den letzten 5 Jahren bereits eine neue Heizungsanlage installiert haben. Dafür wird es für diejenigen, die sich anschließen wesentlich teurer.
Angeblich darf auch kontaminiertes Holz verbrannt werden. Können dann die angegebenen Abgaswerte überhaupt eingehalten werden?

Jahrelange Baustellen auf Priener Straßen und möglicherweise verpflichtende Gebühren, auch für diejenigen, die sich nicht anschließen.

Es ist aus technischen Gründen geradezu absurd, dass man das HSKW ca. 5 km (12 Km Leitungen) entfernt von den potentiellen Hauptverbrauchern baut, obwohl man weiß, dass gerade solche Anlagen wegen der hohen Wärmeverluste und Reparaturanfälligkeit hoch problematisch sind.

Touristisch stark getrübtes Bild am Priener Eingang mit hohem Schornstein, Lärm- und Staubbelastung.

Bei dem gewaltigen Holzbedarf des HSKW, wird es entsprechend hohe Verkehrs und Abgas-Belastung durch LKWs geben.


Fazit: Eine Fehlentscheidung ist eine Fehlentscheidung, ganz gleich ob sie mit 60% oder Einstimmig gefällt wurde. Es ist zu fragen, warum in Prien so viele Abstimmungen einstimmig ausfallen und warum immer mehr nichtöffentliche Sitzungen stattfinden. Wichtige Entscheidungen werden im Geheimen vorbereitet d.h. ohne die Bürger rechtzeitig zu informieren und einzubinden.
In Ermangelung anderer technischer und wirtschaftlicher Argumente, scheint das Wort „Einstimmig“ den HSKW-Befürwortern als das Hauptargument für den Bau zu dienen. Das Ratsbegehren wurde jetzt auf Druck der Bürger beschlossen, weil der Gemeinderat gemerkt hat, dass er an der Mehrheit der Bürger völlig vorbei regiert.

Auf Grund der Holzverknappung und daraus resultierenden Preisexplosion, wird das Priener HSKW zu einem Finanzdesaster (um Vielfaches größer als die Seebühne). Und zwar nicht nur für die Gemeinde und für die an die Fernheizung Angeschlossenen, sondern für alle die Steuern und gemeindliche Abgaben zahlen. Heutzutage sehen die Bürger, dass man sich auf die lobbygetriebenen Politiker - welcher Couleur auch immer – nicht verlassen kann, sondern sich selber informieren und engagieren muss, sonst zahlen wir hinterher gewaltig drauf. Der Bürgermeister ist bei diesem Projekt auf dem Holzweg und wir Bürger müssen ihm helfen, wieder den richtigen Weg zu finden.

Martin Cretnik
(27.02.11)

von: Dr. Frank N´Furter

www.aladina.de
Beitrag drucken   Textbody drucken







        ALLE BEITRÄGE VON: Dr. Frank N´Furter    Kommentare

        Zum Anfügen eines Kommentars bitte einloggen

Kommentare bisher (3)
  • 08.03.2011 - 11:53 - 3447 | Dr. Frank N´Furter
    @ Angela Kind
    Auch wirre bzw. dumme Fragen haben einen Anspruch auf Beantwortung. Ich bin zwar nicht der Verfasser des Artikels, habe ihn aber auf diese Seite gestellt, weil ich mich überwiegend damit identifiziere (und die Chiemgau-Zeitung ihn abgelehnt hat).

    zu 1.: a) ja, teilweise b) ja.
    zu 2.: a) nein, aber eine Heizung modernster Bauart mit über 95% Wirkungsgrad nebst Solarkollektoren. b) nein.
    zu 3.: a) Ölheizung mit Niedertemperaturkessel und Raketenbrenner; Wirkungsgrad: s.o., Verbrauch max. 1150 l für ein 165 m2-Haus. Warmwasser zu 65% per Solarkollektoren b) Frage wird hiermit wegen Dümmlichkeit zurückgegeben, nächste Frage....
    4.: Auch diese Frage gewinnt keinen Intelligenzpokal; nur so viel: ich war mit Sicherheit schon auf mehr Demos als Sie. Auf welchen, geht Sie aber auch garnix an.


  • 08.03.2011 - 09:25 - 3445 | Angela Kind
    Angela Kind
    Vielleicht sollten wir die Verfasser einmal folgendes fragen:
    1. haben sie ihr Haus bereits energetisch saniert, oder ist das in Planung?
    2. haben sie in Ihrem Keller ein Miniheizkraftwerk, oder planen sie eines anzuschaffen?
    3. Mit welchem Brennstoff heizen sie denn? Könnte es sein, dass der Beitrag gar nicht so uneigennützig ist wie er klingt?
    4. waren sie schon einmal auf einer Demo, wenn Wald geopfert wurde für Straßen, Eventprojekte, Gewerbegebiete, Skipisten o.ä.?

  • 07.03.2011 - 11:21 - 3443 | Ende
    Aus Holz Strom erzeugen??
    Aberwitzige Projekte mit grünem Außenanstrich sind leider nicht nur in Prien ein Problem.
    Bei den Verantwortlichen müssten nach Lektüre Ihres Beitrags sämtliche Alarmlampen und Sirenen im Dauerbetrieb blinken und tönen!
    Hoffentlich haben Sie Erfolg mit Ihrem Weckruf.

    Ilona Grimm






  •  MEIN PROFIL 

    LOGIN
    NEU ANMELDEN




     MAGAZIN 

    DIVERSE DOKUMENTE







    HOME|  MITMACHEN|  HILFE|  NEWSLETTER|  ÜBER UNS|  LOGIN|      MMP KuponShop    IMPRESSUM  +